4 000 Euro-Spende im Ruhewald übergeben

Hospitzverein DASEIN e.V. Alzey erhält Mehreinnahmen aus der Senkung der Umsatzsteuer

Die aufgrund der im zweiten Halbjahr 2020 durch die befristete Senkung der Umsatzsteuer erzielten Mehreinnahmen hat die Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) Ruhewald Rheinhessische Schweiz Waldbegräbnisstätte Stein-Bockenheim dem Hospizverein DASEIN e.V. Alzey als Spende zur Verfügung gestellt.

An der großen Andachtsstätte des Ruhewaldes Rheinhessische Schweiz erfolgte die Übergabe der Spende. Unser Bild zeigt (v.l.n.r.) vom Hospizvereins DASEIN  Katharina Nuß (1. Vorsitzende), Ursula Heinritz (2. Vorsitzende), Hiltrud Regner (Koordinatorin und Palliativschwester), und von der AöR Ruhewald Rüdiger Benda (Vorstand), Siegbert Mees (Mitglied des Verwaltungsrates), Reinhard Gundal (stv. Vorstand), Thorsten Jahn (Vorsitzender des Verwaltungsrates).

Foto: AöR Ruhewald Rheinhessische Schweiz

Zur Erinnerung: Im Juni 2020 beschloss die Bundesregierung umfangreiche Maßnahmen des Konjunkturpakets, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Dazu zählte insbesondere die befristete Senkung der Umsatzsteuer im zweiten Halbjahr 2020. Für den Arbeitskreis und den Verwaltungsrat der Waldbegräbnisstätte Ruhewald Rheinhessische Schweiz stand sehr schnell fest, dass die dadurch erzielbaren Mehreinnahmen nicht einbehalten werden, sondern einem sozial wichtigen Zweck zugutekommen sollten.

Wer den Ruhewald kennt, weiß, dass hier ein eigenständiges Areal für ungeboren oder bis zum Alter von drei Jahren gestorbene Kinder mit kostenlosen Urnenplätzen zur Verfügung steht. Das Areal trägt die Bezeichnung „Feenwald“. Die „Sternenwiese“ auf dem Alzeyer Friedhof ist seit vielen Jahren ein Ort der Erinnerung und des Trostes für Eltern und Angehörige, die in früher Schwangerschaft ein Kind verloren haben. Für diese „still geborenen“ Kinder ist die Sternenwiese eine Ruhestätte, die mittlerweile zu einer festen Einrichtung in Alzey und Umgebung geworden ist. Der Hospizverein „DASEIN“ e.V. und das Frauenbüro des Landkreises Alzey-Worms haben die finanzielle und organisatorische Patenschaft, die Gestaltung des Platzes und die Organisation von Gedenkfeiern übernommen.

Wer den Hospizverein „DASEIN“ e.V. kennt, weiß darüber hinaus, wie eine ehrenamtliche Hospizbegleitung Familienangehörige entlastet und Sterbende in ihrer letzten Lebensphase begleitet.
Diese ungemein wertvollen und wichtigen Leistungen der im Hospizverein Tätigen soll die Spende des Ruhewaldes unterstützen. Der Hospizverein bietet auch Trauerbegleitung für An- und Zugehörige an. In Coronazeiten erfolgt dies durch Gespräche am Telefon, (Trauer-) Spaziergänge, gemeinsame Besuche des Grabes etc.

Knapp 3 500,00 Euro wurden seitens der Anstalt des öffentlichen Rechts an Mehreinnahmen aufgrund der Senkung der Umsatzsteuer erzielt. Arbeitskreis und Verwaltungsrat des kommunal betriebenen Ruhewaldes rundeten die Spendensumme auf 4 000,00 Euro auf. Der Hospizverein „DASEIN“ e.V. wird die Spende für Aus- und Weiterbildung verwenden und dankt von Herzen für diese großartige Geste.

Lichter für die Sternenkinder

Am 3. Advent, dem Tag des weltweiten Kerzenleuchtens für alle verstorbenen Kinder, wurde auf der Sternenwiese in einer bewegenden Erinnerungs- und Beisetzungsfeier der Sternenkinder gedacht. Musikalisch umrahmt von Birgit Rehse, begleitet von  Texten zum Thema Licht und Sterne, leuchteten auf dem Feuerberg Kerzen für die Sternenkinder, die von Pfarrerin Anja Krollmann beigesetzt in Mutter Erde und gesegnet wurden.

  • Musikalische Begleitung: Birgit Rehse

Alle Besucher*innen bekamen von Astrid Karwellis, von der Initiative Sternenbärchen, liebevoll gestaltete Kerzen mit nach Hause, um sie am Abend zum weltweiten Kerzenleuchten anzuzünden. Weitere Infos zur Initiative Sternenbärchen: www.sternenbaerchen.de

Impressionen von der Sternenwiese

Die Beisetzungsfeier am 4. Juli 2020 fand unter dem Motto REGENBOGEN statt

  • Musikalische Begleitung: Birgit Rehse

Astrid Karwellies hat selbstgemachte Sternenbärchen als kleine Seelentröster verteilt: info@sternenbaerchen.de
Dort können weitere Bärchen kostenlos bezogen werden. Weitere Infos: www.sternenbaerchen.de

Musikalische Begleitung: Birgit Rehse

„Licht und Sterne“

So war das Thema der Gedenk-und Beisetzungsfeier für Sternenkinder, die in der frühen Schwangerschaft verstorben sind. Wie immer haben am 2. Sonntag im Dezember, am weltweiten Gedenken für alle verstorbenen Kinder, an dem um 19.00 Uhr in den Fenstern Kerzen leuchten, das Frauenbüro und der Hospizverein die Feier auf dem Alzeyer Friedhof gestaltet.

          

Sternenkinder finden ihre letzte Ruhe in Alzey

Von Denise Kopyciok

Erschienen am 25.05.2019 in der Allgemeinen Zeitung

Die Sternenwiese auf dem Alzeyer Friedhof ist eine ganz besondere Gedenkstätte: Totgeborene finden dort ihre letzte Ruhe. Wie geht eine Familie mit dem Verlust von zwei Söhnen um?

ALZEY – Drei Kinder haben Sandra und Jens Laick, zwei davon sind Sternenkinder. Es ist ein kalter Dezember-Tag 2010, als Toni auf die Welt kommt. Es ist kurz vor Mitternacht, und Toni ist schon zwei Wochen tot. Im Oktober 2011 erblickt Mats das Licht der Welt: Er schlägt die Augen auf, schreit kurz und lebt zwei Stunden, bevor er sich mit einem letzten Seufzer verabschiedet. Acht Jahre später: Während Hannes bald in die Grundschule kommt, wohnen Toni und Mats „beim Regenbogen“, da ist sich Sandra Laick sicher. Wenn die Familie die beiden besucht, geht sie auf die Alzeyer Sternenwiese.

Sie sitzt ruhig am Tisch, trinkt Tee und spricht offen über die schlimmste Zeit ihres Lebens. Es ist eine Routineuntersuchung in der 21. Schwangerschaftswoche, als die Ärzte feststellen: Tonis Herz schlägt nicht. Für das Paar aus Mauchenheim bricht die Welt zusammen. Gleich am nächsten Tag müssen die Wehen künstlich eingeleitet werden. Sandra Laick erleidet eine Totgeburt. Sie erinnert sich genau an die Stunden im Krankenhaus, an die vier Tabletten, die vielen Schmerzen und das Gefühlschaos. Von einer Sternenwiese hat sie bis zu diesem Dezembertag nur aus der Zeitung gehört.

„Ich wurde gleich am nächsten Tag entlassen“, erzählt Sandra Laick. Toni ist keine 500 Gramm schwer. Damit gilt für ihn die gesetzliche Bestattungspflicht nicht. Der Routine folgend wäre der Körper über die Pathologie entsorgt worden. Das will das Ehepaar Laick nicht. Es will sein Kind zu Grabe tragen, dem Körper eine Ruhestätte geben und einen Ort der Erinnerung schaffen. Das Alzeyer Bestattungsinstitut Sulfrian stellt den Kontakt zur Sternenwiese her.

Seit 2004 gibt es eine Sternenwiese auf dem Alzeyer Friedhof: eine Grab- und Gedenkstätte für Kinder, die unter 500 Gramm wiegen. Initiatorin der Alzeyer Sternenwiese ist Diana Haus, die eine Fehlgeburt erlitten hat und wissen will, was mit dem Leichnam passiert. Sie wendet sich an das Gleichstellungsbüro (damals Frauenbüro) des Landkreises. „Für uns war das ein Frauenthema“, erklärt Katharina Nuß von der Kreisverwaltung. Sie nimmt sich des Themas sofort an. Gemeinsam mit dem Hospizverein „Dasein“ setzt sie sich dafür ein, dass eine Wiese auf dem Friedhof den Sternenkindern gewidmet wird. „Auf der Sternenwiese gibt es einen Trauerweg, der an die vier Elemente angelehnt ist und die Phasen der Trauer widerspiegelt“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Da gibt es den Feuerberg: aufeinandergestapelte Schiefersteine, die das Grauen repräsentieren, die tiefste Trauer und die Schmerzen. Es gibt das Tal der Tränen. Der Seelenflügel ist ein Klangspiel, bei dem der Wind die sanften Töne über den Friedhof trägt. Die Erde formt einen runden Kreis in der Mitte der Wiese, dort sind die Sternenkinder begraben. „Also Kinder, die nicht bleiben konnten“, sagt Nuß.

Am Anfang gehen Sandra Laick und ihr Mann Jens täglich auf die Sternenwiese. Für sie ist es ein Ort, an dem sie Gaben ablegen können, wo sie zur Ruhe kommen. Sandra Laick geht auch alleine oder mit Freunden zur Sternenwiese. Es vergehen Monate der schweren Trauer – Wellen der Wut. Plötzlich die Nachricht: Sie ist wieder schwanger.

„Das war zwar mein Wunsch, aber es war vor allem ein Schock, dass es so schnell ging“, erinnert sie sich. Ihre Frauenärztin macht ihr Mut. Doch ab der 21. Woche stellen die Ärzte mehr und mehr Auffälligkeiten fest. „Uns war klar, wir wollen dieses Kind bekommen, egal, welche Geschichte es mitbringt.“ In der Uniklinik kommt die Gewissheit: Mats hat Trisomie 18, eine Genmutation, bei der die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass das Kind noch während der Schwangerschaft stirbt. „Von dem Moment an war nur noch ich der Patient, nicht mehr mein Kind“, sagt Laick. „Ich kam mir vor wie ein Forschungsobjekt.“ Hilflos und überfordert ruft das Paar beim Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden an und wird sofort aufgenommen. Sterbebegleitung für Mutter und Vater, die ihr Kind verlieren werden: Sie bemalen einen Sarg und bereiten sich aktiv darauf vor, dass es bald vorbei sein wird. Als Mats auf die Welt kommt und stirbt, ist schon für alles gesorgt: Die Trauerfeier startet wieder auf der Sternenwiese, doch dieses Mal geht es weiter zum Familiengrab. Sandra Laick verliert Mats in der 30. Woche, er wiegt mehr als 500 Gramm und wird daher regulär bestattet.

Zweimal im Jahr findet auf der Sternenwiese eine Gedenkfeier statt: im Winter und im Sommer. Dabei wird eine Urne vergraben, in der die Sternenkinder in Watte verpackt sind. Mal sind es 40, mal sind es 80 Embryonen oder Föten, die ihre letzte Ruhe finden. „Zur Gedenkfeier kommen nicht nur Menschen, die an dem Tag ihr Sternenkind begraben. Es kommen auch Leute, die vor Jahren, Jahrzehnten ihr Kind verloren haben“, erzählt Nuß. Mit Musik, Ritualen und der auf Blütenblättern gebetteten Urne könnte man fast sagen: Das ist schön. Aber gibt es schöne Beerdigungen? „Ja, die gibt es auf jeden Fall“, macht Pfarrerin Anja Krollmann klar, die die Beisetzung und Gedenkfeier leitet. „Der Friedhof wird zum Ort der Begegnung“, sagt Nuß, denn: „Die Trauer begleitet die Menschen ein Leben lang. Es ist egal, ob die Eltern ihr Kind in der dritten Woche oder nach 25 Jahren verlieren. Es liegt nicht an uns, zu bewerten, wie traurig jemand sein darf.“

Die ersten beiden Kinder der Laicks konnten nicht auf dieser Welt bleiben. Die Angst bei der dritten Schwangerschaft ist dabei umso größer. „Die war nicht geplant. Es ist einfach passiert – und es war die Hölle“, sagt Sandra Laick. Das Paar hangelt sich von einer zur nächsten Woche. Die Angst sitzt im Nacken, dass bald wieder Komplikationen, Probleme, Schmerzen auftreten, dass bald wieder der Tod an die Tür klopft. Doch es kommt anders. Am 27. September 2012 kommt Hannes zur Welt – völlig gesund.

Sandra Laick hat ihre Trauer in Energie verwandelt. Die Sternenwiese hat ihr dabei geholfen. Ihre Sternenkinder haben ihren Werdegang, ihren Freundeskreis, ihr ganzes Leben geprägt. Die Frage „Was wäre, wenn?“ stellt sie schon lange nicht mehr. „Dieses Gedankenkarussell – das führt ja zu nichts.“ Auf die Sternenwiese gehen sie weiterhin: Mutter, Vater und auch Hannes, um eine Kerze zu entzünden. „Ich finde es schön, wenn ein Licht brennt“, sagt Sandra Laick. Hannes ist mittlerweile sechs Jahre alt. Wenn er ein Bild seiner Familie malt, sind auf dem Blatt fünf Menschen zu sehen. Zwei davon wohnen beim Regenbogen.