DASEIN macht Schule (2)

Die neunten Klassen des Gustav Heinemann Schulzentrums Alzey und der Georg Forster Gesamtschule in Wörrstadt haben die Themen Vergänglichkeit, Abschied, Tod und Trauer im Unterricht behandelt und den Hospizverein DASEIN zum Unterrichtsbesuch eingeladen. Katharina Nuß hat mit Gaby Stellwagen und Uschi Heinritz den Jugendlichen die Arbeit des Hospizvereins vorgestellt und in sehr lebhaftem und offenem Austausch alle aufkommenden Fragen beantwortet…“Wie kommt man zur Hospizarbeit? Wie kann man so viel Trauer aushalten? Welche Bestattungsformen gibt es überhaupt? Wie kann man lachen, wenn man traurig ist? Wie lange darf Trauer dauern? und Was kann ich tun?“… Einhelliges Resümee der Schüler*innen und Lehrerinnen: „Wir hätten gar nicht gedacht, dass man so leicht über dieses Thema sprechen kann“.


Selina Klein von der Georg-Forster-Gesamtschule schreibt darüber:

Hospizverein DASEIN e.V. zu Gast an der GFG

Sterben, Tod und Trauer sind Themen, bei denen oftmals Sprachlosigkeit oder große Unsicherheit vorherrschen – nicht nur bei Schülerinnen und Schülern. Doch sind auch diesen Situationen der Trauer durchaus bekannt: Tod von Oma und Opa oder des geliebten Haustiers, Trennung der Eltern oder Zerbrechen von Freundschaften. In der Reihe „Alles hat seine Zeit“ – Tod, Sterben und Auferstehung des evangelischen Religionsunterrichtes der Klasse 9b/c lernten die Schülerinnen und Schüler das Leben als begrenzte Zeit, den Tod als absolute Grenze kennen. Sterbe- und Trauerbegleitung bietet der Hospizverein DASEIN e.V. aus Alzey, dessen Vorsitzende Katharina Nuß und die Hospizbegleiterin Gaby Stellwagen sich mit den Schülerinnen und Schülern der GFG zum Gespräch trafen.

Der Hospizverein DASEIN e.V. begleitet und berät schwerkranke Menschen, ihre An- und Zugehörigen, um ihnen eine häusliche Betreuung – insbesondere in schwierigen Situationen – zu ermöglichen. Dabei folgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins dem Leitgedanken „DASEIN mit Herz und all unseren Sinnen, mit Raum und Zeit und unserer Erfahrung Ihre Hoffnungen und Wünsche, Ängste und Sorgen zu teilen“. DASEIN kooperiert auch im Kontext des Projektes „Hospiz macht Schule“ mit verschiedenen Grundschulen der Region. Katharina Nuß war von Anfang an sehr begeistert auch mit älteren Schülerinnen und Schülern zu sprechen.

Während des 90-minütigen Gespräches informierte die Vorsitzende des Vereins Katharina Nuß über die Aktivitäten des Vereins DASEIN e.V. wie die regelmäßigen Veranstaltungen der Letzte Hilfe Kurse; die geleitete Meditation „Kraftquelle“; die Vortragsreihe „ENDlich leben“ oder den Gesprächskreis für Trauernde. Ihre Kollegin Gaby Stellwagen, die selbst gerade die Ausbildung zur Hospizbegleiterin abgeschlossen hatte, berichtete darüber und ihre Beweggründe, sich ehrenamtlich in diesem Bereich ehrenamtlich zu engagieren. Auch der Humor am Lebensende war Thema im Laufe des Gespräches. In einer offenen Atmosphäre stellten die Schülerinnen und Schüler interessiert verschiedene Fragen. Bereits im Vorfeld hatten sie sich über den Verein und den Hospizgedanken informiert und einen Fragenkatalog erstellt.

An dieser Stelle sei Katharina Nuß und Gaby Stellwagen vom Hospizverein DASEIN e.V. noch einmal herzlich für ihren Besuch gedankt!

Selina Klein

Dasein macht Schule

Fünf Hospizbegleiterinnen haben an einem Qualifizierungskurs für das Projekt „Hospiz macht Schule“ teilgenommen. Dieses Projekt richtet sich an Kinder der 3. und 4. Klasse (Alter 8-10). Auch der Hospizverein DASEIN möchte es in Kooperation mit den Grundschulen unserer Region anbieten.

Das Projekt vermittelt im Rahmen einer 5-tägigen Projektwoche, dass Leben und Sterben miteinander untrennbar verbunden sind. Ziel des Projektes ist es, Kinder mit dem Thema „Tod und Sterben“ nicht allein zu lassen. Im geschützten Rahmen sollen sie vielmehr die Möglichkeit bekommen, alle Fragen, die sie zu den Themen bewegen, zu stellen und so gut wie möglich beantwortet zu bekommen. Die Kinder gestalten die einzelnen Projekttage anhand ihrer eigenen Fragen, Erfahrungen und Potenziale. Die Eltern der Kinder lernen durch das Projekt, dass es gerade wichtig ist, bei den sensiblen Fragen des Lebens mit den Kindern offen zu sprechen und nichts zu verdrängen. Sie selbst haben oftmals bei dem Thema schwierige Erfahrungen gemacht und wissen vielfach nicht, wie sie ihre Kinder in den Themen Sterben, Tod und Trauer unterstützen können. Die Lehrenden an den Grundschulen erfahren durch das Projekt neue Zugangswege im Bereich der elementaren Pädagogik.

Aus der Quelle entspringt ein Fluss

Elf Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter trafen sich vom 21. bis 22. April 2018 im Haus Quitte in Panrod-Aarbergen zum Seminar mit dem Referenten Herrn Michael Knorr, Systemischer Familientherapeut. Das Thema lautete:  Aus der Quelle entspringt ein Fluss – Hilfreiche und stärkende Übungen in Präsenz, Selbstreflexion und Selbst-Wahrnehmung

Präsenz: Ich entscheide bewusst, Führung zu übernehmen oder mich führen zu lassen. Ich lebe im Bewusst-Sein. Führen ist nicht bestimmen und führen lassen ist nicht sich auflösen oder sich aufgeben. Wer führt? Der der führt oder der, der sich führen lässt?  Um zu führen muss ich mich auf den Geführten einlassen, und sich führen lassen bedeutet ein Geschenk an den Führenden, mit Grenzen aus der eigenen Biografie.

Wahrnehmung: Ich trete zurück, um ins Detail zu gehen. Ich schaue über das hinaus, was ich sehe. Was sehe ich dort? Das Schicksal des anderen? Sein Eingebunden sein in seine Familie? Seine Liebe zu einem ersehnten Familienmitglied? Eine Loyalität zu einer Gemeinschaft oder eine Rebellion oder Aggression, die mir nicht gilt? Zurücktreten ist ein Verzicht auf Erklärungen der Wahrheit mit der Bereitschaft zum Nichtwissen.

Ich stimme zu: Ein einfaches Wort: Ja. Damit stimme ich nicht einer Ungerechtigkeit, Missständen oder einem Verbrechen als erlaubt zu. Ich sage zu der Bedingung  Ja. Und zu der Person und der Tat, die diese Bedingung darstellt. Ich sage: „Das war nicht in Ordnung, was du getan hast, und die Verantwortung lasse ich bei dir. Du bleibst (z.B.) mein Vater und ich danke dir für mein Leben. Ich stimme zu was war und nehme es ganz und mache was daraus…“ Ich muss das nicht frohen Herzens tun. Ich stimme zu mit all meiner Verzweiflung, Trauer oder Ohnmacht. Es ist keine Resignation oder Bequemlichkeit. Es ist Demut. Sobald jemand unruhig wird, ist es ein Zeichen, dass er vom Wesentlichen (noch) abgeschnitten ist. Im Zustimmen spüre ich in mir, was noch widerstrebt. Das darf sein. Das was sein darf, kann sich verändern, gerade weil es sein darf. Ich stimme meinen „Widerständen“, meiner Unvollkommenheit zu. Damit gehe ich mit dem „Jetzt“.

Ich wende mich aktiv zu: Die ganze (körperliche) Zuwendung wird gebraucht. Das wird als Prozess erlebt. Auf das Zugehen was mich bedroht, ängstigt oder von mir abgelehnt wird, darf dauern, weil es in unserem Gehirn nicht angelegt ist. Dort gibt es nur Flucht oder Angriff oder sich Totstellen.

Körperliche Lösung: Ich atme tief ein und in einem Fluss aus. Das löst körperlich. Das laute Seufzen ist ein erstes Zeichen des Zulassens. Meine Schultern senken sich. Anspannung macht eng, sowohl körperlich als auch meine Wahrnehmung. Körperliche Lösung fördert die Empfindungsmöglichkeit.

Sich dem Geschehen aussetzen: Ich bin Beobachter mit Anteilnahme ohne Mitleid. Darin bin ich gelöst, zustimmend und weit. Im Sich-weit-machen bin ich nicht besser oder schlechter als der andere. Ich mache mich empfindsam (nicht dünnhäutig oder mitleidend) und verbinde mich mit dem was geschieht.

Ich gehe mit der Bewegung mit: In der Präsenz für das Jetzt „schaue“ ich wohin die Bewegung führt. Dabei kann der Schmerz ein Führer sein. Ich gehe nicht in die sich anbietende Resonanz (z.B. ich wehre, rechtfertige, verteidige mich), bin gleichzeitig aktiv und forschend. Ich kämpfe nicht. Und wenn ich es hin und wieder tue, stimme ich auch dem zu, in Demut. Dann bin ich in einem Kreislauf, im Kreislauf des Lebens. (Verfasser: Michael Knorr, Systemischer Familientherapeut)

 

 

 

 

 

Spiritual Care: Wochenendseminar der HospizhelferInnen in Worms

17 HospizhelferInnen waren unter der Leitung von Robert Hofberger vom 31. März bis 1. April 2017 zu einer interessanten Begegnung in Worms zusammengekommen.
Thema des Seminars: Präsent Sein – Gut zu mir, gut zu anderen, eine Einführung in Spiritual Care
Diese Seminar wird von der Spiritual Care Fortbildungsakademie „Sukhavati“ angeboten und adressiert den Bereich der Selbstfürsorge.
Seminarverlauf: Nach dem gemeinsamen Abendessen begannen wir das Seminar mit einer Einführung in die Meditation. Die Meditation ist ein geschicktes Mittel um zu uns zurückzukommen, unseren verstreuten Geist heimzubringen-  denn: Wie kann ich in einer Begleitung präsent sein, wenn ich nicht bei mir bin?
Danach folgte in Kleingruppen eine sogenannte Redestabrunde mit dem Thema: Was war meine ursprüngliche Motivation für Hospizarbeit und was bestärkt mich immer noch, dieses Ehrenamt auszuüben? Neben der inhaltlichen Beschäftigung mit dem Thema lernten wir auf der einen Seite bewusster Zuzuhören und auf der anderen Seite wie wohltuend es ist  genügend Raum zu haben vollständig ausdrücken zu können was uns auf dem Herzen liegt.
Im Anschluss daran befassten wir uns mit den 3 Edlen Prinzipien, die ihre Wurzel im Buddhismus haben. Sie können uns eine Struktur geben für den Tag, aber auch für jede einzelne unserer Handlungen.

  • das Gute am Anfang –
    eine von Herzen kommende, mitfühlende Motivation erwecken
  • das Gute in der Mitte –
    ein Gewahrsein unserer grundlegenden Gutheit aufrechterhalten und aus dieser Quelle heraus handeln
  • das Gute am Ende –
    den spirituellen Nutzen und die Kraft, die durch unsere Handlungen entstehen, dem Wohlergehen aller fühlenden Wesen widmen

Nach einer kleinen Abschlussrunde ließen wir den Abend bei einem Glas Wein ausklingen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück stiegen wir mit einer kleinen Meditationsrunde weiter in die Thematik ein und befassten uns näher mit dem Wesen der Meditation. Bei der Meditation ist die richtige Körperhaltung wichtig. Außerdem gibt es unterschiedliche Meditationsmethoden. Man kann z.B. einen Gegenstand fokussieren oder achtsam auf den Atem sein. Wichtig dabei ist, „vom Tun zum Sein“ zu kommen, präsent und offener zu werden und in diesem Zustand mehr und mehr zu verweilen.
Nach einer Pause näherten wir uns dem Begriff  „Spiritual Care“ an. Es gab eine lebhafte Diskussion darüber, was unter dem Begriff zu verstehen ist und wie spirituelle Fürsorge und mitfühlende Präsenz miteinander in Beziehung stehen. Als drei wesentliche Merkmale einer spirituellen Begleitung zeigten sich unsere Präsens, unsere Authentizität und unser grundlegendes Vertrauen.
Dazu folgte zum Abschluss des Vormittags ein Rollenspiel, bei der wir im Wechsel einmal Patient und Begleiter waren und eine direkte Erfahrung der wohltuenden Wirkungsweise mitfühlender Präsenz machen konnten.
Nach dem Mittagessen setzten wir uns weiter mit dem Thema Mitgefühl auseinander. Um unser manchmal eingeschränktes Potenzial mitfühlend zu sein zu erweitern, machten wir eine angeleitete Meditation:  den anderen als ein „weiteres Ich“ sehen und sich in eine andere Person hineinversetzen. In dem Wissen, dass Begleitungen Schwerstkranker und Sterbender uns auch an unsere Grenzen führen können, diskutierten wir gemeinsam welche Faktoren dazu beitragen, dass wir unser inneres Gleichgewicht verlieren, was unter Umständen bis zum Burnout führen kann. In dem Kontext der Selbstfürsorge erforschten wir, dass es manchmal nicht so einfach ist eigene Grenzen zu erkennen, gut zu sich selbst zu sein oder gar darüber hinaus sich selbst bedingungslos zu lieben. Eine angeleitete Meditation der „Liebenden Güte für sich selbst“ half uns diesen Bereich zu erschließen oder auch weiter zu vertiefen.
Nach Abschluss des Seminars nutzten wir die Gelegenheit bei Kaffee und Kuchen über weitere Themen unserer Hospizarbeit zu sprechen und den Tag ausklingen zu lassen. Es war eine intensive Zeit, die wir zusammen verbringen durften und alle waren sich einig, ein weiteres Seminarwochenende im nächsten Jahr wird es bestimmt geben.