Aus der Quelle entspringt ein Fluss

Elf Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter trafen sich vom 21. bis 22. April 2018 im Haus Quitte in Panrod-Aarbergen zum Seminar mit dem Referenten Herrn Michael Knorr, Systemischer Familientherapeut. Das Thema lautete:  Aus der Quelle entspringt ein Fluss – Hilfreiche und stärkende Übungen in Präsenz, Selbstreflexion und Selbst-Wahrnehmung

Präsenz: Ich entscheide bewusst, Führung zu übernehmen oder mich führen zu lassen. Ich lebe im Bewusst-Sein. Führen ist nicht bestimmen und führen lassen ist nicht sich auflösen oder sich aufgeben. Wer führt? Der der führt oder der, der sich führen lässt?  Um zu führen muss ich mich auf den Geführten einlassen, und sich führen lassen bedeutet ein Geschenk an den Führenden, mit Grenzen aus der eigenen Biografie.

Wahrnehmung: Ich trete zurück, um ins Detail zu gehen. Ich schaue über das hinaus, was ich sehe. Was sehe ich dort? Das Schicksal des anderen? Sein Eingebunden sein in seine Familie? Seine Liebe zu einem ersehnten Familienmitglied? Eine Loyalität zu einer Gemeinschaft oder eine Rebellion oder Aggression, die mir nicht gilt? Zurücktreten ist ein Verzicht auf Erklärungen der Wahrheit mit der Bereitschaft zum Nichtwissen.

Ich stimme zu: Ein einfaches Wort: Ja. Damit stimme ich nicht einer Ungerechtigkeit, Missständen oder einem Verbrechen als erlaubt zu. Ich sage zu der Bedingung  Ja. Und zu der Person und der Tat, die diese Bedingung darstellt. Ich sage: „Das war nicht in Ordnung, was du getan hast, und die Verantwortung lasse ich bei dir. Du bleibst (z.B.) mein Vater und ich danke dir für mein Leben. Ich stimme zu was war und nehme es ganz und mache was daraus…“ Ich muss das nicht frohen Herzens tun. Ich stimme zu mit all meiner Verzweiflung, Trauer oder Ohnmacht. Es ist keine Resignation oder Bequemlichkeit. Es ist Demut. Sobald jemand unruhig wird, ist es ein Zeichen, dass er vom Wesentlichen (noch) abgeschnitten ist. Im Zustimmen spüre ich in mir, was noch widerstrebt. Das darf sein. Das was sein darf, kann sich verändern, gerade weil es sein darf. Ich stimme meinen „Widerständen“, meiner Unvollkommenheit zu. Damit gehe ich mit dem „Jetzt“.

Ich wende mich aktiv zu: Die ganze (körperliche) Zuwendung wird gebraucht. Das wird als Prozess erlebt. Auf das Zugehen was mich bedroht, ängstigt oder von mir abgelehnt wird, darf dauern, weil es in unserem Gehirn nicht angelegt ist. Dort gibt es nur Flucht oder Angriff oder sich Totstellen.

Körperliche Lösung: Ich atme tief ein und in einem Fluss aus. Das löst körperlich. Das laute Seufzen ist ein erstes Zeichen des Zulassens. Meine Schultern senken sich. Anspannung macht eng, sowohl körperlich als auch meine Wahrnehmung. Körperliche Lösung fördert die Empfindungsmöglichkeit.

Sich dem Geschehen aussetzen: Ich bin Beobachter mit Anteilnahme ohne Mitleid. Darin bin ich gelöst, zustimmend und weit. Im Sich-weit-machen bin ich nicht besser oder schlechter als der andere. Ich mache mich empfindsam (nicht dünnhäutig oder mitleidend) und verbinde mich mit dem was geschieht.

Ich gehe mit der Bewegung mit: In der Präsenz für das Jetzt „schaue“ ich wohin die Bewegung führt. Dabei kann der Schmerz ein Führer sein. Ich gehe nicht in die sich anbietende Resonanz (z.B. ich wehre, rechtfertige, verteidige mich), bin gleichzeitig aktiv und forschend. Ich kämpfe nicht. Und wenn ich es hin und wieder tue, stimme ich auch dem zu, in Demut. Dann bin ich in einem Kreislauf, im Kreislauf des Lebens. (Verfasser: Michael Knorr, Systemischer Familientherapeut)

 

 

 

 

 

ENDlich leben – Vortrag zur Vergänglichkeit

Der Vortrag „Gedanken zur Vergänglichkeit“ von Agnes Packebusch-Scheer ( Gründerin des Hospizvereins DASEIN und langjährige Vorsitzende des Vereins) am 20. Februar 2018 war gut besucht und sehr informativ.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach schrieb 1911: „Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids – und ein Quell unendlichen Trostes.“ Der Dalai Lama sagte: „Das Bewußtsein der Vergänglichkeit macht uns klar, dass wir jeden kostbaren Moment nutzen müssen.“

Anlassspende zum Jubiläum oder Geburtstag

Frau Rauth hatte anlässlich der Feier zu ihrem 70. Geburtstag ihre Gäste gebeten, anstelle von Geschenken, eine Spende für den Hospizverein DASEIN in die aufgestellte Dose zu geben. Einige Tage später, als wir gemeinsam die Dose in unserem Büro öffneten, kamen 400 Euro heraus. Wir freuen uns sehr über diese Großzügigkeit und bedanken uns ganz herzlich bei Frau Rauth und ihren Gästen.

Erfüllung eines letzten Wunsches

Brautmoden Martinez in Alzey hat einer Patientin, deren größter Wunsch es war, ihren ihr standesamtlich angetrauten Ehemann vor ihrem Tod im weißen Brautkleid kirchlich zu heiraten, ein Brautkleid geschenkt.

Jubiläumsveranstaltungen anlässlich des 20 jährigen Bestehens des Hospizvereins

Lebendige Begegnung mit dem Tod
Bericht in der Allgemeine Zeitung am 15.01.2018 von Roswitha Wünsche-Heiden
ALZEY – Er sitzt mittendrin, der Gesichtslose mit dem dunklen Kapuzenmantel. Sitzt reglos auf der kleinen Bühne zwischen dem Bilderzyklus, den der Fotograf Joachim M. Huber von der krebskranken Brigitte Mohr in deren letztem Lebensjahr aufgenommen hat. Mittendrin in der Ausstellung „Die Dinge des Lebens“ befanden sich aber auch die Zuschauer, die sich kurz vor deren Ende zu einer Pantomime-Aufführung im Museum eingefunden hatten und von Katharina Nuß, der Vorsitzenden des Hospizvereins „Dasein“, willkommen geheißen wurden.
Die Gestalt des weiß gekleideten und geschminkten Schauspielers Christoph Gilsbach erweckte die Szene zum Leben. Mit Handschlag begrüßte er einen der Zuschauer für alle, ehe er das Leben als „lebendige Begegnung mit dem Tod“ vorführte. In seinem Auftrag gossen zwei Zuschauer Wasser über eine Tonfigur in einem Glaszylinder. Nun sah sie aus wie ein Embryo.

Minutiöse Mimik und Gestik

Tatsächlich begannen die folgenden neun Szenen, deren Ankündigung in den folgenden 60 Minuten die einzige sprachliche Äußerung blieb, mit Geburt und Kindheit. Kaum kann das Kind laufen, beginnt es saftig-süße, aber auch wurmige Äpfel vom Baum des Lebens zu pflücken. Es wächst mit den Schwierigkeiten, indem es zum Beispiel Zuschauer auf dem Weg zu seinem Ball überklettert.
„Jung und schön“ ist in der nächsten Szene eine weibliche Figur, die sich unglaublich lange schminkt und zurechtmacht, bis jedes Detail stimmt. Das Pendant dazu ist „Der Held“. Auch bei ihm müssen militärische Ausstattung und Haltung stimmen und eingeübt werden, bis er in den Kampf zieht, wo die schöne Aura des Helden hoffnungslos zur Fratze entgleist.
Gespannt und mucksmäuschenstill folgten die Zuschauer dem exakt beobachteten, in minutiöser Mimik und Gestik dargestellten Menschen, der inzwischen „auf dem Höhepunkt des Erfolges“ angekommen ist. Zwischen den modernen Möglichkeiten der Kommunikation hin- und herwechselnd, regiert er sein Imperium, gibt Anweisungen, kritisiert lautstark und hält sich mit Drogen leistungsfähig. Kleine Klaviersequenzen von Ludovico Einaudi trennten auch diese von der folgenden Szene, der „Unzufriedenheit“, die lethargisch auf einer Parkbank sitzend die Überreste des Lebens aus einem Abfalleimer sortiert.
Beeindruckt und angerührt von dieser Art wortloser Darstellung war Martina Rose beispielsweise von der unspektakulären, kleinen Szene „Klammern an den Alltag“. Doppeldeutig verwendet der Künstler das Wäscheaufhängen als Metapher für die Alltagsroutine, die einerseits Halt gibt, aber auch als Last empfunden wird. Margit Orthey lobte trotz der Schlussszenen, in denen der Tod zunehmend in den Fokus rückte, den Gesamteindruck der Darbietung als heiter und aufbauend. So verzweifelt der Mensch nicht am Tod seines Kindes, weil es ihm gelingt, Abschied zu nehmen und weiterzuleben und Dr. Herbert Schmitt zeigte als einer der ins Geschehen einbezogenen Zuschauer keine Berührungsängste beim Tanz mit dem Tod.
Als schließlich der alte Mensch sein buntes, gelebtes Leben ruhig plaudernd akzeptiert, ließ Gilsbach in einem grandiosen Schlussbild Dutzende von Schmetterlingen zu Louis Armstrongs „Wonderful World“ durch den Raum gaukeln und gab sie den Zuschauern mit auf den Heimweg. Ganz nebenbei fiel ein letzter Blick beim Hinausgehen auf die Tonskulptur, die inzwischen ganz unauffällig wieder zu Erde geworden war.

Künstler: Christoph Gilsbach studierte klassische Pantomime an der Folkwang-Hochschule in Essen. Seine Figur des Clowns entwickelte er mit internationalen Künstlern und perfektionierte sein Maskenspiel bei zahlreichen Auftritten im In- und Ausland.


Pantomimentheater  Mi 10.01.2018  19.30 Uhr im Museum in Alzey

Das Leben – eine lebendige Begegnung mit dem Tod von und mit Christoph Gilsbach (https://www.gilsbachdasleben.de/)

Ein außergewöhnliches Theaterstück, ganz ohne Worte. Ergreifend durch die Darstellung der einzelnen Lebensstationen, die sicher jeder schon einmal erlebt hat. Packend, mitreißend und mit einem ermutigendem Ende. In Szene gesetzt mit 9 Bildern und einem Musikstück.

Die Dinge des Lebens

Eröffnung der Fotoausstellung am Sonntag 10.12.2017 im Museum

Die Sonderausstellung „Die Dinge des Lebens“ mit Arbeiten von Joachim M. Huber, Dr. Christoph Kern und Michael Ruhland war vom 11.12.2017 bis 14.01.2018 im Museum Alzey, Antoniterstraße 41, zu sehen.

Begleitend zur Ausstellung fand am Samstag, 16. Dezember 2017 von 14.30 bis 16.30 Uhr im Museum ein Lieder- und Gesprächsnachmittag statt mit Dr. Christoph Kern und Joachim M. Huber, deren Werke in der Ausstellung zu sehen waren und Vorstandsmitgliedern des Hospizvereins. Pfarrer Joachim Putz begleitete den Nachmittag musikalisch auf seiner Gitarre und mit Liedern zu den  „Dingen des Lebens“.

ENDlich leben – Filmabend

Die Vortragsreihe startete sehr erfolgreich am Mittwoch, 25. Oktober 2017 mit einem Filmabend im Alzeyer Bali-Kino. Das Thema des Abends „Humor am Lebensende“ machte deutlich, dass es durchaus vergnügliche Situationen, heitere Erinnerungen und komische Momente am Lebensende gibt, dass Lachen und Weinen ganz nah beieinander liegen.

Der geilste Tag, ein Film von und mit Florian David Fitz und mit Matthias Schweighöfer ist eine heitere Tragikkomödie, die uns zum Nachdenken brachte: „Habe ich noch unerfüllte Wünsche für mein Leben? Wann und wie setze ich sie um?“

Jahresausflug des Hospizvereins DASEIN am 21. Oktober 2017

Der Ausflug führte uns nach Darmstadt zur Bestatterin und Trauerbegleiterin Sabine Eller. Sie leitete unser Seminar zum Thema: ENDlich leben – Die kostbare Zeit zwischen Tod und Bestattung.
Sabine Eller empfing uns in ihrem Institut mitten in der Fußgängerzone in Darmstadt. In ihrem Bestattungsraum erfuhren wir viel über ihre Arbeit und dem pietätvollem Umgang mit Verstorbenen und deren Angehörigen. Wir hatten die Möglichkeit, in einem Sarg „Probe zu liegen“; und haben für uns neue Aspekte rund um den Tod erfahren.
Am Nachmittag besuchten wir die Ausstellung „ leben aus gestorben“. Sie befindet sich im still gelegten Krematorium auf dem Darmstädter Waldfriedhof. Sie wurde als Projektarbeit an Schulen erarbeitet und soll besonders Jugendliche inspirieren, sich mit dem Thema Tod zu befassen. Dieser Tag wird noch lange in uns nachwirken.