Rückblicke

Jubiläumsveranstaltungen anlässlich des 20 jährigen Bestehens des Hospizvereins DASEIN

Allgemeine Zeitung Nachrichten Alzey 15.01.2018

Lebendige Begegnung mit dem Tod                      Von Roswitha Wünsche-Heiden

ALZEY – Er sitzt mittendrin, der Gesichtslose mit dem dunklen Kapuzenmantel. Sitzt reglos auf der kleinen Bühne zwischen dem Bilderzyklus, den der Fotograf Joachim M. Huber von der krebskranken Brigitte Mohr in deren letztem Lebensjahr aufgenommen hat. Mittendrin in der Ausstellung „Die Dinge des Lebens“ befanden sich aber auch die Zuschauer, die sich kurz vor deren Ende zu einer Pantomime-Aufführung im Museum eingefunden hatten und von Katharina Nuß, der Vorsitzenden des Hospizvereins „Dasein“, willkommen geheißen wurden.
Die Gestalt des weiß gekleideten und geschminkten Schauspielers Christoph Gilsbach erweckte die Szene zum Leben. Mit Handschlag begrüßte er einen der Zuschauer für alle, ehe er das Leben als „lebendige Begegnung mit dem Tod“ vorführte. In seinem Auftrag gossen zwei Zuschauer Wasser über eine Tonfigur in einem Glaszylinder. Nun sah sie aus wie ein Embryo.

Minutiöse Mimik und Gestik

Tatsächlich begannen die folgenden neun Szenen, deren Ankündigung in den folgenden 60 Minuten die einzige sprachliche Äußerung blieb, mit Geburt und Kindheit. Kaum kann das Kind laufen, beginnt es saftig-süße, aber auch wurmige Äpfel vom Baum des Lebens zu pflücken. Es wächst mit den Schwierigkeiten, indem es zum Beispiel Zuschauer auf dem Weg zu seinem Ball überklettert.

„Jung und schön“ ist in der nächsten Szene eine weibliche Figur, die sich unglaublich lange schminkt und zurechtmacht, bis jedes Detail stimmt. Das Pendant dazu ist „Der Held“. Auch bei ihm müssen militärische Ausstattung und Haltung stimmen und eingeübt werden, bis er in den Kampf zieht, wo die schöne Aura des Helden hoffnungslos zur Fratze entgleist.

Gespannt und mucksmäuschenstill folgten die Zuschauer dem exakt beobachteten, in minutiöser Mimik und Gestik dargestellten Menschen, der inzwischen „auf dem Höhepunkt des Erfolges“ angekommen ist. Zwischen den modernen Möglichkeiten der Kommunikation hin- und herwechselnd, regiert er sein Imperium, gibt Anweisungen, kritisiert lautstark und hält sich mit Drogen leistungsfähig. Kleine Klaviersequenzen von Ludovico Einaudi trennten auch diese von der folgenden Szene, der „Unzufriedenheit“, die lethargisch auf einer Parkbank sitzend die Überreste des Lebens aus einem Abfalleimer sortiert.

Beeindruckt und angerührt von dieser Art wortloser Darstellung war Martina Rose beispielsweise von der unspektakulären, kleinen Szene „Klammern an den Alltag“. Doppeldeutig verwendet der Künstler das Wäscheaufhängen als Metapher für die Alltagsroutine, die einerseits Halt gibt, aber auch als Last empfunden wird. Margit Orthey lobte trotz der Schlussszenen, in denen der Tod zunehmend in den Fokus rückte, den Gesamteindruck der Darbietung als heiter und aufbauend. So verzweifelt der Mensch nicht am Tod seines Kindes, weil es ihm gelingt, Abschied zu nehmen und weiterzuleben und Dr. Herbert Schmitt zeigte als einer der ins Geschehen einbezogenen Zuschauer keine Berührungsängste beim Tanz mit dem Tod.

Als schließlich der alte Mensch sein buntes, gelebtes Leben ruhig plaudernd akzeptiert, ließ Gilsbach in einem grandiosen Schlussbild Dutzende von Schmetterlingen zu Louis Armstrongs „Wonderful World“ durch den Raum gaukeln und gab sie den Zuschauern mit auf den Heimweg. Ganz nebenbei fiel ein letzter Blick beim Hinausgehen auf die Tonskulptur, die inzwischen ganz unauffällig wieder zu Erde geworden war.

Künstler: Christoph Gilsbach studierte klassische Pantomime an der Folkwang-Hochschule in Essen. Seine Figur des Clowns entwickelte er mit internationalen Künstlern und perfektionierte sein Maskenspiel bei zahlreichen Auftritten im In- und Ausland.

Pantomimentheater  Mi 10.01.2018  19.30 Uhr im Museum in Alzey

Das Leben – eine lebendige Begegnung mit dem Tod von und mit Christoph Gilsbach (https://www.gilsbachdasleben.de/)

Ein außergewöhnliches Theaterstück, ganz ohne Worte. Ergreifend durch die Darstellung der einzelnen Lebensstationen, die sicher jeder schon einmal erlebt hat. Packend, mitreißend und mit einem ermutigendem Ende. In Szene gesetzt mit 9 Bildern und einem Musikstück.


Begleitend zur Ausstellung fand am Samstag, 16. Dezember 2017 von 14.30 bis 16.30 Uhr im Museum ein Lieder- und Gesprächsnachmittag statt mit Dr. Christoph Kern und Joachim M. Huber, deren Werke in der Ausstellung zu sehen waren und Vorstandsmitgliedern des Hospizvereins. Pfarrer Joachim Putz begleitete den Nachmittag musikalisch auf seiner Gitarre und mit Liedern zu den  „Dingen des Lebens“.


Eröffnung der Fotoausstellung „Die Dinge des Lebens“  So 10.12.2017, 17 Uhr im Museum in Alzey

Die Sonderausstellung „Die Dinge des Lebens“ mit Arbeiten von Joachim M. Huber, Dr. Christoph Kern und Michael Ruhland war vom 11.12.2017 bis 14.01.2018 im Museum Alzey, Antoniterstraße 41, zu sehen.


Jahresausflug des Hospizvereins DASEIN am 21. Oktober 2017

Der Ausflug führte uns nach Darmstadt zur Bestatterin und Trauerbegleiterin Sabine Eller. Sie leitete unser Seminar zum Thema: ENDlich leben – Die kostbare Zeit zwischen Tod und Bestattung.
Sabine Eller empfing uns in ihrem Institut mitten in der Fußgängerzone in Darmstadt. In ihrem Bestattungsraum erfuhren wir viel über ihre Arbeit und dem pietätvollem Umgang mit Verstorbenen und deren Angehörigen. Wir hatten die Möglichkeit, in einem Sarg „Probe zu liegen“; und haben für uns neue Aspekte rund um den Tod erfahren.

Am Nachmittag besuchten wir die Ausstellung „ leben aus gestorben“. Sie befindet sich im still gelegten Krematorium auf dem Darmstädter Waldfriedhof. Sie wurde als Projektarbeit an Schulen erarbeitet und soll besonders Jugendliche inspirieren, sich mit dem Thema Tod zu befassen. Dieser Tag wird noch lange in uns nachwirken.


Spiritual Care: Wochenendseminar der HospizhelferInnen in Worms

17 HospizhelferInnen waren unter der Leitung von Robert Hofberger vom 31. März bis 1. April 2017 zu einer interessanten Begegnung in Worms zusammengekommen.

Thema des Seminars: Präsent Sein – Gut zu mir, gut zu anderen, eine Einführung in Spiritual Care
Diese Seminar wird von der Spiritual Care Fortbildungsakademie „Sukhavati“ angeboten und adressiert den Bereich der Selbstfürsorge.

Seminarverlauf: Nach dem gemeinsamen Abendessen begannen wir das Seminar mit einer Einführung in die Meditation. Die Meditation ist ein geschicktes Mittel um zu uns zurückzukommen, unseren verstreuten Geist heimzubringen-  denn: Wie kann ich in einer Begleitung präsent sein, wenn ich nicht bei mir bin?
Danach folgte in Kleingruppen eine sogenannte Redestabrunde mit dem Thema: Was war meine ursprüngliche Motivation für Hospizarbeit und was bestärkt mich immer noch, dieses Ehrenamt auszuüben? Neben der inhaltlichen Beschäftigung mit dem Thema lernten wir auf der einen Seite bewusster Zuzuhören und auf der anderen Seite wie wohltuend es ist  genügend Raum zu haben vollständig ausdrücken zu können was uns auf dem Herzen liegt.
Im Anschluss daran befassten wir uns mit den 3 Edlen Prinzipien, die ihre Wurzel im Buddhismus haben. Sie können uns eine Struktur geben für den Tag, aber auch für jede einzelne unserer Handlungen.

  • das Gute am Anfang –
    eine von Herzen kommende, mitfühlende Motivation erwecken
  • das Gute in der Mitte –
    ein Gewahrsein unserer grundlegenden Gutheit aufrechterhalten und aus dieser Quelle heraus handeln
  • das Gute am Ende –
    den spirituellen Nutzen und die Kraft, die durch unsere Handlungen entstehen, dem Wohlergehen aller fühlenden Wesen widmen

Nach einer kleinen Abschlussrunde ließen wir den Abend bei einem Glas Wein ausklingen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück stiegen wir mit einer kleinen Meditationsrunde weiter in die Thematik ein und befassten uns näher mit dem Wesen der Meditation. Bei der Meditation ist die richtige Körperhaltung wichtig. Außerdem gibt es unterschiedliche Meditationsmethoden. Man kann z.B. einen Gegenstand fokussieren oder achtsam auf den Atem sein. Wichtig dabei ist, „vom Tun zum Sein“ zu kommen, präsent und offener zu werden und in diesem Zustand mehr und mehr zu verweilen.
Nach einer Pause näherten wir uns dem Begriff  „Spiritual Care“ an. Es gab eine lebhafte Diskussion darüber, was unter dem Begriff zu verstehen ist und wie spirituelle Fürsorge und mitfühlende Präsenz miteinander in Beziehung stehen. Als drei wesentliche Merkmale einer spirituellen Begleitung zeigten sich unsere Präsens, unsere Authentizität und unser grundlegendes Vertrauen.
Dazu folgte zum Abschluss des Vormittags ein Rollenspiel, bei der wir im Wechsel einmal Patient und Begleiter waren und eine direkte Erfahrung der wohltuenden Wirkungsweise mitfühlender Präsenz machen konnten.

Nach dem Mittagessen setzten wir uns weiter mit dem Thema Mitgefühl auseinander. Um unser manchmal eingeschränktes Potenzial mitfühlend zu sein zu erweitern, machten wir eine angeleitete Meditation:  den anderen als ein „weiteres Ich“ sehen und sich in eine andere Person hineinversetzen. In dem Wissen, dass Begleitungen Schwerstkranker und Sterbender uns auch an unsere Grenzen führen können, diskutierten wir gemeinsam welche Faktoren dazu beitragen, dass wir unser inneres Gleichgewicht verlieren, was unter Umständen bis zum Burnout führen kann. In dem Kontext der Selbstfürsorge erforschten wir, dass es manchmal nicht so einfach ist eigene Grenzen zu erkennen, gut zu sich selbst zu sein oder gar darüber hinaus sich selbst bedingungslos zu lieben. Eine angeleitete Meditation der „Liebenden Güte für sich selbst“ half uns diesen Bereich zu erschließen oder auch weiter zu vertiefen.

Nach Abschluss des Seminars nutzten wir die Gelegenheit bei Kaffee und Kuchen über weitere Themen unserer Hospizarbeit zu sprechen und den Tag ausklingen zu lassen. Es war eine intensive Zeit, die wir zusammen verbringen durften und alle waren sich einig, ein weiteres Seminarwochenende im nächsten Jahr wird es bestimmt geben.


Stationäre Palliativmedizin und ambulante Hospizarbeit im Dialog

So lautete der Titel der Einladung des DRK Krankenhauses Alzey zum Fachaustausch am 7. Februar 2017 von Fachkräften der Palliativstation und Hospizhelferinnen, die ehrenamtlich schwerkranke Menschen an ihrem Lebensende begleiten. Oberärztin Ruth Maas stellte das ganzheitliche Therapiekonzept der Station vor und der anschließende Austausch diente dem besseren gegenseitigen Kennenlernen und Vertiefung der gemeinsamen Arbeit.

Doris Neuhäuser stellte eindrucksvoll ihre Arbeit als Musiktherapeutin und die Wirkung von Klanginstrumenten auf Patientinnen und Patienten der Palliativstation vor: Klänge und Musik werden auch da eingesetzt, wo keine Worte mehr möglich sind, wirken beruhigend und häufig auch positiv auf das Schmerzempfinden. Mit einer kleinen Klangreise konnten die Teilnehmenden selbst die Wirkung der Klänge erspüren.

  • verschiedene Klanginstrumente, die in der Musiktherapie auf der Palliativstation zum Einsatz kommen
    verschiedene Klanginstrumente, die in der Musiktherapie auf der Palliativstation zum Einsatz kommen

Verleihung des Ehrenamtspreises an Gerda Pusch

Der Deutsche Hospiz- und PallitativVerband hat am 18. Januar 2017 in Berlin den Ehrenamtspreis an Gerda Pusch verliehen. In ihrer Laudatio würdigte Frau Textor, die Vorsitzende des Hospiz- und PalliativVerbandes Rheinland-Pfalz, das 20-jährige ehrenamtliche Engagement unserer Hospizbegleiterin.

  • Frau Gisela Textor und Frau Gerda Pusch

Wir freuen uns mit Gerda Pusch über diese bundesweite Anerkennung und gratulieren herzlich.